Netzwerktreffen am 24.08.2022

Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern wurde im Gemeindehaus Priort (Wustermark) die Erstfassung des Regionalen Kulturlandplans vorgestellt und anschließend diskutiert. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen geführten Spaziergang zu einer Blühfläche im Ort. Anhand dessen Beispiel wurde gezeigt, wie eine vergleichsweise niedrigschwellige Maßnahme in großem Maße zur Förderung der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft beitragen kann.

Nachlese Projekt-Werkstatt vom 17.11.21

Unter dem Motto „Wasser in der Landschaft“ wurde die Projekt-Werkstatt im Online-Format durchgeführt. Knapp über 40 Teilnehmende aus der Landwirtschaft, Kommunen, aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK), dem Landesamt für Umwelt (LfU) und aus den Natur- und Umweltschutzorganisationen nahmen teil.

Im ersten Teil der Veranstaltungen wurden drei Impulsvorträge gehalten, zum einen über das Klimamoorprojekt von Dr. Lukas Landgraf (LfU) und Christina Grätz (NagolaRe GmbH), über das Landesniedrigwasserkonzept von Holger Lengsfeld (MLUK) und zum anderen über den Klimaschutz und Wasserhaushalt in der Landeshauptstadt Potsdam von Lars Schmäh (Stadt Potsdam). Als Auftragnehmer zur Umsetzung des Landesniedrigwasserkonzeptes stellten sich die Dr. Martin Gocht (DMT GmbH & Co. KG) und Katja Eulitz (BGD ECOSAX GmbH) vor. Der zweite Teil widmete sich dem intensiven Austausch zu den drei Themen in moderierten World Cafés, in denen die Impulsgeber*innen mit den Teilnehmenden im Detail diskutierten.

Als Ergebnisse der Debatten aus den World Cafés war für das Thema Klimamoor die unsichere Lage der Landwirtschaft auf wiedervernässten Niedermoorböden ein Schwerpunkt. Zum einen sollen moorschonende Techniken bis zu 60% gefördert werden, um mit dem höheren Wasserstand und anderen Kulturen wirtschaften zu können, zum anderen können wiedervernässte Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden. Hier wird von der Landwirtschaft ein finanzieller Ausgleich vonseiten der Gesellschaft gefordert, da die Landwirtschaft durch solche wiedervernässten Flächen aktiven Klimaschutz betreibt. Beim Thema Landesniedrigwasserkonzept bildeten die Trockenperioden der vergangenen Jahre wie auch die sich häufenden Starkregenereignisse einen Diskussionsschwerpunkt. Für beide Wetterextreme müssen für den Landeswasserhaushalt Möglichkeiten zu deren langfristigen Umgang gefunden werden. Vor allem Stakeholder aus den Wasser- und Bodenverbänden, den Wasserbehörden, dem Flussgebietsbeirat und anderen relevanten Akteuren spielen bei der Lösungsfindung eine zentrale Rolle. Im World Café zum Klimaschutz und Wasserhaushalt wurde ebenfalls für eine breite Beteiligung in der Region plädiert. Dazu sollten Plattformen wie das Kommunale Nachbarschaftsforum und der sich gerade etablierende Regionalpark „Havelseen-Mittlere Havel“ genutzt werden. Vor allem bei der klimagerechten Bewirtschaftung von Flächen sollte über die Einführung eines „Klimacents“ oder die Bezahlung von Ökosystemdienstleistungen in der Landwirtschaft nachgedacht werden.

Die detaillierten Ergebnisse aus den World Cafés und die Präsentationen finden Sie hier: Dokumente

"Das Blaue Band der Havel" zum Nachlesen  

Als positives Beispiel aus der Praxis wird das Blaue Band der Havel in der aktuellen Ausgabe des DVL-Magazins vorgestellt. Projektchefin Olivia Kummel stand in einem Interview Rede und Antwort.
Die Ausgabe kann kostenfrei heruntergeladen werden.

Das Blaue Band der Havel bei den Praxistagen des DVL (Deutscher Verband für Landschaftspflege) 

Die DVL-Praxistage Brandenburg fanden vom 7. bis 8. Oktober 2021, unter anderem in Marquardt (Potsdam), statt. Dabei präsentierten Vertreterinnen und Vertreter der 13 brandenburgischen Landschaftspflegeorganisationen, darunter auch der LPV Potsdam, ihre Arbeit und diskutierten mit Expertinnen und Experten über aktuelle Herausforderungen.
Im Rahmen der DVL-Praxistage betonte Axel Vogel, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg: „Bundesweit arbeiten Landschaftspflegeverbände regional und in guter Kooperation von Landwirtschaft und Naturschutz vor Ort, um den ökologischen Zustand unserer Landschaften zu verbessern. (...) Wir werden uns in der kommenden EU-Förderperiode verstärkt dafür einsetzen, die Herausforderung des Agrarnaturschutzes mit bewährten und neuen Förderinstrumenten anzugehen. So soll die kooperative Antragstellung von Agrarumweltmaßnahmen ermöglicht werden und damit beispielsweise der Moorbodenschutz durch die Förderung von hoher Wasserhaltung auf betriebsübergreifenden Flächen befördert werden oder auch die Schaffung von Biotopverbundflächen auf Acker- und Grünlandflächen. Die Landschaftspflegeverbände sind hierbei wichtige Partner."

Die Erfahrung der 181 im DVL zusammengeschlossenen Landschaftspflegeorganisationen zeigt, dass gerade überbetriebliche Gemeinschaften Maßnahmen besser auf regionale Zielsetzungen ausrichten und die Flexibilität von Landwirtinnen und Landwirten erhöhen. Landwirt Helmut Querhammer, der mit seinen Wasserbüffeln auf landschaftsverträgliche Weise naturschutzfachlich wertvolle Moorstandorte pflegt, bestätigte: „Landschaftspflege ist für mich ein wichtiges betriebswirtschaftliches Standbein, das ich dank des örtlichen Landschaftspflegeverbandes aufbauen konnte. Statt mich mit bürokratischen Hürden zu quälen, profitiert mein Betrieb von der zentralen Koordination der Maßnahmen. Das Projekt „Blaues Band der Havel" ist dafür das beste Beispiel! Auch die Expertise des Verbandes ist für mich ein Mehrwehrt, gerade die praxisnahe Umsetzungsberatung und der organisierte Erfahrungsaustausch."

3. Netzwerktreffen am 09.09.2021

Insgesamt 15 TeilnehmerInnen (14 in Präsenz, 1 online) fanden sich am vergangenen Donnerstag in der Klimawerkstatt Werder ein, um wertvollen Input für den regionalen Kulturlandplan zu liefern. Die bei der Auftaktveranstaltung bereits geäußerten Vorschläge zu den Themen Direktvermarktung, Moorschutz/ -wiedervernässung, Agroforstsystemen und Blühstreifen/ -flächen, wurden tiefergehend diskutiert und deren Anwendbarkeit bewertet. Ein bereits seit 2012 vorliegender einzelbetrieblicher Kulturlandplan eines Mitgliedsbetriebes diente hierbei als wegweisendes Pilotprojekt.

2. Geführter Spaziergang am 27.07.2021
Buchweizen-Felder als Beispiel einer Paludikultur

 Auf insgesamt 5 ha bereichert im Potsdamer Nordwesten nun seit Mitte Mai eine ganz besondere Kulturpflanze die Agrarlandschaft, der Buchweizen. Der 2. geführte Spaziergang wurde trotz der Ferienzeit wohlwollend durch Interessierte in Anspruch genommen. Vor allem die anwesenden Landwirte wollten mehr erfahren über den Anbau der einst in unseren Breiten üppig kultivierten Art. Vielleicht ist es auch etwas für deren Betrieb im nächsten Jahr? Der Buchweizen ist weder Weizen, noch Gehölz und trägt seinen Namen aufgrund der dem Weizen ähnlichen Nutzung und wegen der den Buchäckern so ähnlichen kleinen Früchte. Die Pflanze gedeiht auf sowohl nassen (Niedermoor-)Böden, als auch auf kargeren (Heide-)Standorten. Die beiden im Projekt realisierten Buchweizen-Äcker befinden sich auf eher trockenen-sandigen Standorten, erfreuen aber dennoch mit einer üppigen Blüte und einem Bouquet aus vielen weiteren bunt blühenden Beikräutern die zahlreich vorbeifahrenden Naturliebhaber. Hierzu zählen beispielsweise der Saat-Mohn, Acker-Spergel sowie die Rote Liste Arten Kornblume und Hundszunge. Zwar stand der Buchweizen am Tage des Spaziergangs in voller Blüte, dennoch konnte man in den unteren Etagen des Blütenstandes bereits die ersten Nüsschen erkennen. Die Ernte wird je nach Witterung Ende August/September stattfinden. Beim Buchweizen ist es wichtig, dass die Früchte ganz trocken abgereift sind, bevor geerntet wird. Geerntet wird aber bereits in diesen Tagen. Nämlich der Buchweizen-Nektar durch Honigbienen die mit 8 Völkern am Rande eines der beiden Äcker platziert sind. Dass Buchweizenhonig eine besondere Delikatesse ist, davon konnten sich die Teilnehmenden durch eine Verkostung zum Ende der Führung überzeugen.

„Das Blaue Band der Havel“ – Online-Auftaktveranstaltung am 23.04.2021

Die Auftaktveranstaltung fand Corona-bedingt online statt und hatte zum Ziel, die Inhalte und Maßnahmen des Projektes zu schärfen. Über vierzig Teilnehmende, unter anderem die Stadt Werder, die Landeshauptstadt Potsdam, landwirtschaftliche Betriebe aus der Umgebung, wissenschaftliche Einrichtungen, wie auch Landnutzer- und Naturschutzverbände schalteten sich brandenburgweit zu. Gestartet wurde mit spannenden Impulsvorträgen zu den Themen bodenschonende Bewirtschaftung von Niedermoorböden, Etablierung von Agroforstsystemen und Blühflächen wie auch zu Direktvermarktungsstrategien für landwirtschaftliche Erzeugnisse in der Region. Die Teilnehmenden verständigten sich in Themenworkshops und Diskussionen zum stärkeren Austausch in der Region im Hinblick auf den Moorschutz, Baumpatenschaften und einer weiten Etablierung von Blühflächen.

In den Diskussionen nach den Impulsvorträgen und in den World Cafés zeigte sich, dass im Hinblick auf bodenschonende Bewirtschaftungsweisen und Moorschutz einige Maßnahmen im Entstehen sind oder auf den Weg gebracht wurden, wie die Arbeitsgemeinschaft „Klimamoor“ initiiert vom Brandenburger Landesamt für Umwelt (LfU) in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Potsdam, um die Wichtigkeit und den dringenden Handlungsbedarf zum Moorschutz zu befördern. Der Deutsche Dachverband für Landschaftspflege (DVL) denkt einen Maschinenring an, um moorangepasste Technik bereitzustellen. Zudem wird ein Austausch mit erfahrenen Moorbewirtschaftern angeregt, um Ressentiments abzubauen. In der Herstellung von regionalen Fleischprodukten wurde das Problem der langen Wegestrecken zwischen Erzeugung und Verarbeitung und damit der Wirtschaftlichkeit angesprochen. In der Region fehlen Schlachter und Schlachtereibetriebe, die auch kleinere Mengen Fleisch verarbeiten. Insgesamt sind noch weitere Schritte nötig, um Lösungen für eine Direktvermarktung anzubieten. Bei den Agroforstsystemen gibt es viele verschiedene Kombinationsmöglichkeiten zwischen Ackerfrüchten, Baum- und Strauchfrüchten, Energieholz und Tierhaltung. Diese verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten sind derzeit nicht kompatibel mit dem Naturschutzverständnis der Förderungen. In der nächsten Förderperiode soll des deshalb eine AUKM-Förderung mit einer weiter gefassten Definition von Agroforstsystemen geben. Modellhaft können derzeit kleine Flächen durch Baumpatenschaften initiiert werden. Bei den Blühflächen und -streifen wurde eine Verbindung zwischen den Blühflächen als Biotopverbund angeregt, um den genetischen Austausch zu fördern. Der Verbund kann auch in Form von Gehölzreihen geschaffen werden. Wichtig sind Öffentlichkeitsarbeit und die Bereitschaft Blühstreifen mit heimischem Saatgut anzulegen, auch ohne Förderung, um Bewusstsein zu schaffen und Naturschutzaspekte in die Landwirtschaft zu integrieren. Es wurde betont, dass auch die Bevölkerung als Akteure im ländlichen Raum durch Umweltbildungsmaßnahmen mitgenommen werden müssen um Gemeinwohlinteressen stärker in die Landwirtschaft hineinzutragen.

Die Ergebnisse der Diskussionen fließen in das Konzept des Blauen Bandes der Havel mit ein. Ende Herbst folgt eine Projekt-Werkstatt. In dieser wird der Netzwerkgedanke weitergeführt und erste Erkenntnisse aus den Maßnahmen, die im Projekt umgesetzt werden, fließen in den regionalen Kulturlandplan mit ein. In diesem Jahr werden zwei Modellversuche zur standortgerechten und naturverträglicheren Flächennutzung gestartet: die bereits Anfang Mai erfolgte Ansaat von Buchweizen und die Ansaat einer regionalen Blühmischung im September.


Die Vorträge der ReferentInnen und weitere Ergebnisse aus der Auftaktveranstaltung können Sie hier herunterladen:


Agroforstsysteme von Phillip Gerhardt:   https://www.youtube.com/watch?v=q0hbp4wZF9I
Notizen und Erkenntnisse aus den World Cafès: